{Sonntagskolumne} Pimp my Profile

Neulich zappte ich so durch das Programm und fand eine Sendung namens „Pimp my Profile“. Ich dachte mir so: „Eine Sendung in denen Bewerbern gezeigt wird, was mit ihrem Bewerberprofil nicht stimmt und warum sie keine Jobs kriegen?“ und fünf Minuten intesives Schauen später zeigte mir die Show knallhart: „Nö!“

Es geht um Datingprofile. Profile auf Datinseiten. Die moderne Form der Selbstdarstellung einsamer Singleherzen auf der Suche nach dem Partner für das nächste Lebensjahr. Zwei „Experten“ analysieren die Profile und überarbeiten sowohl Mensch als auch digitale Kontaktanzeige.

Dabei offenbaren sich Berufe, die ich niemals für möglich hielt: Online Dating Expertin! Ja, es gibt Menschen, die Online Dating zum Beruf gemacht haben. Wie clever ist die Alte denn? Was der Großteil unserer Generation macht, mehr oder minder erfolgreich, und auch noch dafür bezahlt, hat die Tante als Beruf! Und weil es sich ja irgendwann mal selber ausgedatet hat, berät sie eben andere. Dabei muss ich jedoch sagen, habe ich nicht lange genug zugesehen, um zu wissen, ob sie in einer Partnerschaft ist. Wäre sie es nicht, fände ich das sehr skurril. In etwa wie ein Fitnesstrainer ohne Kondition, aber Bauchspeck. Ein Arzt, der rauchend und saufend mit ner Scheibe Bacon in der Hand vor einem Sitzt und was von gesundem Lebensstil faselt. Oder aber auch die Verkäuferin im P&C in der Männerabteilung, die Hugo Boss Anzüge vertickt und selbst in der 5,99 Bluse aus der letzten Lidl-Kollektion vor einem steht.

Sie nehmen sich also der verlorenen Seelen mit ihren Grimassen-Halloween-Profilbildern an und den Profilsprüchen á la „Nur Bratzen hier, oder auch mal was brauchbares?“ und zeigen ihnen, warum ihr Profil 100 Männer abschreckt. Der Stylingexperte macht aus den Vogelscheuchen echte Damen und die Frau mit dem geilsten Beruf der Welt geht raus und knipst mit ihrem Handy ein paar Fotos. Es hat ein wenig was von Hundeschule. „Komm her, kleines Menschlein. Nein, das darfst du nicht machen! Nein, böses Menschlein! Ja, fein hast du das gemacht – gucke, als Leckerli zur Belohnung ein Date für dich!“

Ist das Menschlein samt Profil überarbeitet und neue Statussprüche wie „Wer möchte mit mir die Welt entdecken und Käsechips aus der Couchritze popeln?“ online, werden wieder 100 Männer gefragt, ob sie sich eine Beziehung mit der Dame vorstellen können. Logischerweise springen gut Dreiviertel der Herren auf dieses Profil an, auch wenn es aussieht wie von Marketingexperten und nicht der Profilinhaberin erstellt. Ach, Moment. Genau das ist es ja auch.

Bezahlen wir also jetzt Menschen dafür uns unsere Datingprofile zu überarbeiten, in der Hoffnung dann endlich den richtigen Partner zu finden oder haben wir einfach nur eine neue Berufsgruppe gegründet, die sich eine goldene Nase an den hoffnungslosen Romantikern mit Angst an der Supermarktkasse „Hallo“ zu sagen verdient und nehmen den Menschen auch das letzte Stück Verantwortung? Und wenn ja, beides, warum müssen wir uns das im TV anschauen? Reichen denn die Nachmittagsserien gescheiterter Existenzen nach Drehbuch auf RTL nicht aus, bei denen wir zumindest ein wenig das Gefühl hatten unser eigenes Leben noch im Griff zu haben?

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