{Lifestyle} Kurztrip: Bratislava

„Bratislava? Wieso fährt man denn nach Bratislava?“ – hörte ich relativ häufig als ich erzählte, dass ich in ein paar Tagen auf einen Kurzurlaub in die slowakische Haupstadt fahre. Nun, warum denn nicht Bratislava? Wer schon da war reagierte freudig: „So schön, das wird die gefallen!“; wer noch nie in der Slowakei war verzog eher das Gesicht und dachte an zerstückelte Backpacker im Kino.

Doch ungewöhnlich ist mir immer lieber als Tourihochburg und da ich Prag schon sehr mag und mir Bratsilava wie ein kleines Prag vorstellte, war klar, dass es irgendwann einmal auch dorthin gehen sollte. Nun suchten wir nach einem Kurztrip im Mai bevor die Masterarbeit richtig losgeht und fanden ein wahres Schnäppchen: 97 Euro für Flüge und Hotel pro Person – ab nach Bratislava!

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Die harten Fakten:

Die Slowakei ist relativ klein und hat nur knapp 5 Millionen Einwohner; ca. 500.000 davon in seiner Hauptstadt Bratislava (zu Deutsch Pressburg); welche nur wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt liegt. Seit 2009 hat die Slowakei den Euro, was wir am Flughaftengeldautomaten auch verwundert feststellten. Gott sei Dank nicht nur wir, auch andere Reisende, die wir kennengelernt haben, waren noch der festen Meinung sie bekämen hier Kronen.

Der Staat selbst ist noch realtiv jung und war nach dem ersten Weltkrieg noch mit Tschechien vereint – was viele noch fälschlicherweise als Tschechoslowakei bezeichnen – und erhielt 1992 seine Unabhängigkeit als eigenständige Republik; seit 2004 ist sie Mitlglied der Europäischen Union.

Was die meisten Touristen als Bratislava besuchen ist eigentlich nur die Altstadt (Staré Mesto); dabei gibt es noch vier weitere Stadtteile, wie die Neustadt und die Wohn- / Geschäfts- und Randbezirke. Die Altstadt ist realtiv klein und kann problemlos zu Fuß abgelaufen werden. Sie ist gesäumt von kleinen Gassen und wunderschönen Altbauten, mit zahlreichen Pubs, Bistros und kleinen Lädchen sowie Restaurants. Obwohl die Altstadt sehr klein ist, kann man sich sehr lange dort aufhalten. Besonders die Architektur sollte man sich näher anschauen und auch mal in eine kleine dunkle Gasse einbiegen. Oft bietet sich hier ein toller Blick auf die Burg, ein tolles Café oder beim abermaligen Ablaufen ein neuer Weg oder eine versteckte Abkürzung.

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Überraschung!

Nicht nur, dass uns der Euro überraschte (politisch einfach mangelhaft gebildet), überraschten uns auch die Preise. Das Preisniveau in der Altstadt ist gleich dem deutschen; in der Neustadt ist es etwas günstiger. Ein voller Teller Gulasch mit Klößen für 14 Euro ist allerdings auch vollkommen in Ordnung, wenn man das Gulasch erst einmal gekostet hat! Wer statt in der doch eher mondänen Altstadt lieber in einem typischen Gasthaus essen und nur die Hälfte zahlen möchte, findet sie eher in der Neustadt. Ein etwas versteckter Tipp wäre das Flagship Restaurant; Preise 1A, Essen von super bis „muss man wohl Slowake sein um das zu mögen“, Kellner.. wir hatten bestimmt nur die Praktikantin, Ambiente klasse – da kommt auch mal der Koch aus der Küche gerannt, wenn auf den großen Fernsehern Eishockey läuft und ein Punkt erzielt wurde.

Eine weitere Überraschung war das „Gibt es nicht!“, was wir nur aus China kannten und dort Mei You heißt. Lange habe ich nicht mehr so häufig vom Kellner ein „Ist nicht!“ gehört. Nur weil es auf der Karte steht, heißt das noch lange nicht, dass man es auch bestellen kann. Eines der coolsten Bistros in der Altstat ist wohl das Urban Bistro, welches auf seiner Frühstückskarte nur Avocado zu führen scheint und das einzig avocadofreie das Granola ist; aber, gibt es nicht! Dafür sind sie jedoch flexibel und ich bekam statt dieser grünen Pampe eine sehr gute Butter zu dem noch besseren Brot für das tolle Ei! Überall in der Stadt finden ich Urban Bistros, Urban Spaces oder Urban Irgendwas – alle stylisch, charmant, anders und mit einem tollen Angebot. In unserem gab es dann auch noch einen sehr hübschen Kellner mit tollen Augenbrauen, wie auch schon die Gäste vor uns feststellten.

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Wir haben anscheinend immer das Talent zu besonderen Zeiten zu verreisen, denn auch in Bratislava gab es einige kleine Veranstaltungen während wir dort waren. Am jüdischen Denkmal wurde den getöteten Juden im zweiten Weltkrieg mittels einer kleinen Messer gedacht; im Zentrum fand eine Art Studentenmesse mit Ständen und Livemusik statt, zum Weltkriegsgedenken gab es ein imposantes Feuerwerk und in der Innenstadt fanden sich viele mit „Blut“ bespritzte Arztkittel, welche zu einer Portestaktion gehörten, die die Angriffe auf Krankenhäuser verurteilt: „Die Ärzte sind tot! Wer behandelt die Kinder in Syrien?“ – was uns daran wunderte war, dass sie auch am nächsten Tag noch hingen. In Deutschland wären illegale Protestmahnmale mit hoher Wahrscheinlichkeit so schnell wie möglich entfernt worden.

Protest Wer behandelt die Kinder in Syrien Jüdisches Denkmal Gedenkkerzen

Das Flirtpotenzial ist etwas niedrig, denn offenbar ist Bratislava das Paris des Ostens. Insgesamt sind die Besucher sehr junge (von der ein oder anderen Rentnergruppe mal abgesehen), doch zumeist sind es schwer verliebte Pärchen. Eigentlich wollten wir etwas mehr flirten und ausgehen und auch mal tanzen, doch soweit kam es nicht. Samstag angekommen, hatten wir Begegnungen mit Einhörnern, Wikingern, pink bestrumpfhosten Bräuten und Co., denn die Junggesellenabschiede waren los. Sonntag war die Stadt jedoch leer, ebenso wie an den Folgetagen. Ideal, wenn man von Touristenmassen genervt ist und die Möglichkeit genießen möchte ohne lange anstehen zu müssen alle Sehenswürdigkeiten zu bestaunen; ungünstig, wenn man anden anderen Tagen Party möchte. Die Clubs sind geschlossen bzw. schließen mangels Besuchern bevor Spätaufsteherdeutsche mal dort sind und auch nur eine Handvoll Pubs hat Gäste, schmeißt diese jedoch gegen eins raus. Vielleicht liegt es daran, dass die Urlaubssaison in Bratislava erst beginnt, allerdings denke ich, liegt es einfach noch daran, dass die Stadt noch nicht überlaufen ist von Touris, was die gute Anbindung mit Ryan Air jedoch sicher in Zukunft noch weiter ändern wird, wenn sich erst einmal rumgesprochen hat, wie schön es ist.

„Coke and Vodka and a Guinnes?“ und „You’d been here yesterday, right…?“

Wenn der Kellner dich wiedererkennt, obwohl er viele andere Touristen in der Zwischenzeit bei sich hatte, hast du eindeutig Eindruck hinterlassen. Eigentlich möchte ich immer woanders hingehen, doch in drei Lokalen waren wir mehrmals. Im irischen Pub The Dubliner war einfach am meisten los (zu Recht) und im Mondieu kann man auch hervorragend frühstücken und bei einer leckeren Limonade die Sonne genießen. Die meisten Lokale haben sich spezialisiert: entweder urig mit Bier oder schick mit Wein – beides sollte man mitnehmen.

HirsebreiMondieuViewWer Gesellschaft sucht, aber ungern einfach so Leute anspricht, kann das vielleicht mit einer Free Tour verbinden. Zwei Mal am Tag startet die Tour vor der Oper. Sie kostet nichts und dauert etwa zwei Stunden. Die Stadtführer erhalten am Ende ledigleich ein Trinkgeld, so man etwas geben möchte. Wir sind sowohl durch die Altstadt, als auch die Neustadt gelaufen und haben viele interessante Details über Bratislava, die Geschichte und die Orte erfahren. Besonders die blaue Kirche hätten wir ohne Daniela vermutlich nie gefunden. Hier ergibt sich leicht die Möglichkeit mit den anderen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit offen sind für ein Bier am Abend.

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Hoch und runter für ordentlich Muskelkater in den Beinen

Bratislava ist keine flache Stadt und auch das teils sehr alte Kopfsteinpflaster fordert die Beinmuskulatur sehr (bequeme Schuhe sind das A und O). Unser Hotel war direkt unter der Burg gelegen und somit liefen wir einige Höhenmeter pro Tag. Das ist jedoch auch toll, denn so hatten wir zwei Mal die Möglichkeit einen tollen Ausblick auf die Stadt zu genießen. Der Aufstieg auf die Pressburg ist schnell erledigt und die hübsche weiße Burg ist umgeben von einer schönen Parkanlage mit herrlichem Blick auf die Neustadt, Altstadt und die Donau, sowie die Apollobrücke und die UFO-Brücke.

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Eben jenes UFO bietet nach einem Spaziergang an der Donau dann am Abend eine weitere Gelegenheit auf einen schönen Blick auf Bratislava mit Burg, Brücken und Lichtern. Wer mag, kann den Sonnenuntergang im Restaurant bestaunen, zahlt das aber auch sehr gut. Ein Highlight hier jedoch: die Toilette. Zu drei Seiten komplett verspiegelt, nach vorne eine Fensterfront, bietet sich beim Geschäft dieser herrliche Blick auf die Stadt.

hradufo brücke sonnenuntergang Bratislava Nacht

Bratislava – das schönere Prag?

Es ist eine Mischung aus Prag und Restkommunismus – eine wunderschöne Stadt, die jeder, der Prag mag auch mögen wird, jedoch nicht besser. Es ist anders. Es ist ruhiger, die Menschen sind gelassen, alles dauert etwas, Stress scheint ein Fremdwort und man lässt sich leicht davon anstecken. Die Menschen sind etwas kühl für unsere Auffassung von Dienstleistern, jedoch nicht unfreundlich. Bratislava eignet sich hervorragend um auch bei einem Städtetrip mal abschalten und einfach entspannen zu können. Es ist im Vergleich zu Prag etwas teurer, aber durchaus nicht teuer für uns.

Wer richtig plant kann eine schöne Rundreise machen und beispielsweise in Wien starten, mit dem Boot nach Bratislava fahren (ca. 70 Min) und dann mit dem Zug weiter nach Budapest (ca. zwei Stunden). Die Städte liegen so dicht beieinander, dass sie in einer Woche ganz entspannt zu bereisen sind. Die Verbindungen untereinander sind zudem auch nicht teuer.

Ich kann Euch allen nur empfehlen die Vorurteile fallen zu lassen und der Stadt eine Chance zu geben. Das nächste Mal würde ich dann auch so planen, dass Freitag und Samstagabend zum Ausgehen drin sind. Wir sind von Samstag bis Dienstag dort gewesen. Schaut nach Angeboten, dann ist der Trip preislich unschlagbar! Hinzu zahlten wir für Flug mit Sitzplattzreservierung 15 Euro, Rückzu 19 Euro und auch das Hotelzimmer kostete uns für drei Nächte im Zwei-Bett-Zimmer lediglich 112 Euro.

Mit welchen kleinen Tricks ich meine Tasche packe und nur mit Handgepäck problemlos reisen kann und was ich mit meiner Flugangst mache, erfahrt Ihr dann in den nächsten Tagen.

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