{Traveling} Ein kurzer Abstecher nach Indien

Der Abschied aus Malaysia fiel mir etwas schwerer, als die vielen Abreisen davor: ich hatte keine Gelegenheit mich richtig von der Dänin zu verabschieden; eine SMS musste reichen und zudem wäre ich lieber mit dem jemand, der ihren Platz in den letzten 24 Stunden in KL neben mir einnahm zusammen erst auf die Philippinen und dann nach Vietnam weitergereist. Hätte ich ihn nur 6 Stunden früher kennengelernt, wäre es nicht Indien geworden. Aber ich glaube ja an soetwas wie Schicksal und so trennten sich unsere Wege auf den Fahrten zu den Flughäfen.

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Ich war mal wieder viel zu spät und stellte fest, dass nicht der 3.000 Meter-Lauf im Sportunterricht damals anstrengend war, sondern dass ein Sprint mit Rucksack und rutschender Jeans über einen viel zu großen Flughafen eine wirkliche Herausforderung ist. Aber, wie immer in Asien, sind die Fluggesellschaften noch unpünktlicher als ich und so konnte ich mich im Flugzeug doch noch 5 Stunden mit einem sehr netten Herren darüber unterhalten, wie er Delhi in Erinnerung hat und dass er in den nächsten Tagen für die drei Damen rechts neben ihm ein halbes Vermögen ausgeben wird – die älteste Tochter heiratet. Wir schlossen noch eine Wette ab, ob es Nebel oder Smog ist, was sich über Delhi hüllt und kurz darauf nahm der Taxifahrer Kurs auf die Schwedische Botschaft. Ich dachte ja schon einiges an Verkehrschaos in Asien erlebt zu haben, aber die Taxifahrt in Delhi toppte alles bisher „überlebte“. Ich kam zwar erschöpft aber heil in „Little Sweden“ an und schlief erst einmal 12 Stunden durch. Ich konnte den Regen nicht abschütteln und nahm ihn einfach mit – gut für Delhi: es hatte schon lange nicht geregnet und mein erste Tag in Indien war geprägt von Gewitter auf Gewitter. Halb so wild – da ich eh den halben Tag verschlafen habe, half ich der Schwedin bei ihrem Fotoshooting für ihre neue Tuch-Kollektion. Am nächsten Tag holte mich ein Fahrer ab und ich ging auf eine kleine Delhi-Tour.

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Uhmar, mein Fahrer, hatte die Aufgabe mir die Must-Sees seiner Stadt zu zeigen. Auch, wenn Delhi groß, voll und staubig ist, aus verbunkerten Blöcken besteht und wenig einladend für Touristen scheint, ist die Stadt dennoch unglaublich interessant. Man muss nur hinter die Betonmauern schauen. Es gibt viele historische Orte, mal mit Eintritt, mal gar nicht dem Tourismus verkommen und bei Weitem nicht so überfüllt, wie ich es erwartet hatte. Mein lieber Fahrer kümmerte sich rührend und löste vor Allem das Wasser-Problem vorbildlich. „Nein, hier kaufst du kein Wasser und du isst hier auch nichts – ich besorge dir was, damit du nicht krank wirst“ – der berühmt-berüchtigte Delhi-Belly ist die vermutlich größere Gefahr für Touristen in Delhi im Vergleich zur Kriminalität. Glücklicherweise musste ich auch nicht unterwegs essen, da mich die Haushälterin früh mit einem super leckeren Omelette und Abend einem unglaublich guten indischen Abendessen versorgte.

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Am nächsten Tag begab ich mich mit der Schwedin auf eine kleine Entdeckungstour durch Delhi – was tun die coolen Kids an einem Samstag hier… besonders, wenn sie wie wir in der Nacht vorher durch die Bars gehüpft und nicht ganz so energiegeladen sind? Hauz Kahs heißt das momentane Hipster-Viertel der Stadt und so machten wir uns auf ins Hauz Kahs Village. Ein Einkaufszentrum, das mit unserem Verständis von Shopping Mall nicht viel zu tun hat. Es besteht aus einer Straße mit kleinen abgehenden Gassen. Die Häuser rundherum beherbergen die kleinen Shops, Cafés und Bars auf idR sechs Etagen, verwinkelt und unübersichtlich. Auf der Suche nach Inspiration für ihr eigenes Business fanden wir einen kleinen Laden mit Ledertaschen. Wir waren schockverliebt! Nappa Dori ist ein indisches Label mit handgefertigten Lederwaren; so cool, modern und stilvoll, dass wir hätten alles kaufen können. Gleich neben den Shops findet sich ein See und an der anderen Uferseite eine alte Runinenstätte – frei zugänglich und hier waren sie, die coolen Kids, die Fotografen und Models, die chilligen Plätze. Nach einem Eistee und Schokocookiemilchshake auf einer der Dachterassen des Village entschieden wir uns für Abendessen auswärts. Am gleichnamigen Lodi Garden findet sich ein ziemlich cooles Restaurant mit tollem Außenbereich und sehr leckerem Essen (ohne Delhi-Belly).

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Zurück in der Botschaft wartete kurz darauf auch schon das Taxi zum Flughafen. Sonntag früh um eins startet die Lufthansa Richtung München und es warteten zwei Sitze auf mich. Beim Online-Check-In habe ich darauf gepokert, dass den Fensterplatz in der nicht ausgebuchten Maschine keiner haben möchte, wenn ich schon den Gangplatz reserviert habe und der Plan ging auf. In Fötusstellung in Decke und Kissen gewickelt interessierten mich die zehn Stunden bis München kaum. In München rasch in die leere Sieben-Uhr-Maschine nach Berlin gewechselt, fragte ich mich schon, was ich hier eigentlich gerade mache. Die nette Stewardess stellte mir den Tee genau richtig hin: „Nonstop You“ prangte auf dem Becher und trieb mir die Tränchen in die Augen.

„Berlin ist nicht dein Ziel – noch nicht, es ist zu früh“ und so musste ich mir überlegen, wie ich den Menschen Zuhause erklären will, dass ich eigentlich nur zum Wäsche waschen nach Hause komme…

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