{Sonntagskolumne} Ungefragt, zu viel gesagt

Neulich fragte mich mein neuer Reisebegleiter, wie weit meine Planung denn schon wäre: „Hast du schon den Flug gebucht?“ und ich musste reumütig zugeben: „Nö..“ – habe es aber sofort nachgeholt!

Dass ich nicht vorhatte Zuhause zu bleiben, wusste jeder und doch gibt es immer wieder dieses Erstaunen. „Du willst weg?“ / „Also ich müsste das ja nicht mehr machen!“ / „Wie kommt man denn auf so eine Idee?“ / „Alleine? Dahin? Also, das kannst du doch nicht machen!“… Und so weiter und so fort, schallt es mir ins Ohr aus jeder Richtung. Warum ich Dinge tue, wie ich sie tue und warum ich hinreise wo ich hinreise? Weil ich es verdammt nochmal kann!

Es ist wie mit Babynamen: Verrate keinem etwas konkretes, bevor sie keinen Einfluss mehr haben. Die Menschen können ihre ungefragte und teils unnütze Meinung einfach nicht an sich halten. Aus irgendwelchen Gründen fällt es dem Großteil der Menschen leichter, dich mit ihren negativen Gedanken zuzuschütten, anstatt sich einfach einen kurzen Zuspruch herauszuquälen.

Zu meinen aktuellen Reiseplänen gab es bis jetzt nur eine Person, die sofort große Augen bekam und mir sagte „Sehr cool, mach das – das wird klasse!“. Und das ist traurig, um mal meine negativen Gedanken dazu in die Welt zu tragen. Ich erzählte in dieser Woche meiner Friseurin von der letzten Reise und neben mir auf dem Stuhl ging es gleich wieder los, dieses Schandmaulgeratter: man bräuchte das ja selbst nicht mehr. Warum immer so und nicht anders. Und so weiter. In mir regte sich sofort dieser schlummernde Drang der Dame das Glätteisen neben mir ins Gesicht zu rammen – einfach um ihr, deutlich gesagt, das Maul zu stopfen. Und es ist nicht nur mit dem Reisen so, sondern generell mit meiner, nicht dem Standard entsprechender Lebensplanung.

Würde ich eine Meinung zu meiner Lebensplanung / zu meinen Reisen / zu allem was mich persönlich betrifft von jemandem haben wollen, dann würde ich danach fragen. Stattdessen finde ich mich seit etwa einem Jahr verstärkt in der permanenten Pflicht der Rechtfertigung. Meine Welt ist groß und voller Abenteuer, die erlebt werden wollen. Die Welt der anderen offenbar viel kleiner, als ich es annahm. Aber eben das ist der Knackpunkt: Meine Welt – Deine Welt. Es gibt Menschen, denen kann ich nicht verschweigen, wo ich hinmöchte. Ich musste meinen Eltern jedoch verbieten mit den Großeltern darüber zu sprechen. Es gibt Diskussionen, denen will ich mich gar nicht stellen. Und den Versuch die alten Herrschaften davon zu überzeugen, dass ich nicht in einem Sarg wiederkommen werde, kann ich mir getrost sparen – das ist ein Kampf auf verlorenem Posten. Offiziell werde ich mich dann wohl in Irland aufhalten, Österreich oder meinetwegen auch Portugal – solange es mir und ihnen das Leben erleichtert, soll es das geeignete Mittel sein.

Und selbst wenn ich den Heimflug in einem Sarg antreten werden, dann ist das eben so – traurig für andere wohl, aber mich stört es doch dann auch nicht mehr. Ich halte nichts davon sich in den eigenen vier Wänden einzuschließen und höchstens mal an die Ostsee zu fahren. Die Welt ist gefährlich, ja – aber das war sie schon immer und es gibt daher keinen Grund sich abzuschotten. Noch weniger sogar, andere in der eigenen beschränkten Weltanschauung gefangen zu halten. Aus meiner Sicht ist es zudem unglaublich respektlos und egoistisch, die Pläne und Wünsche eines anderen Menschen mit der eigenen Meinung zu behaften.

Wenn ich mir also etwas wünschen könnte, dann wäre es mehr Offenheit – gegenüber anderen, ihren Plänen und Zielen. Weniger „aber“, „warum“ und „wenn“. Mehr „los“, „viel Spaß“ und „meld dich mal“.

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