{Traveling} Iran – Teil 3: In der Wüste ist die Welt noch in Ordnung

Ich saß im Warteraum am Busterminal und wartete geduldig, wie es sich gehört. Ich wusste mich, dass im Iran Feiertag war und so fuhr nur ein Bus in die Wüste. Während ich wartete kam eine andere junge Deutsche mit den gleichen Reiseziel – zu zweit ist das Taxi nur noch halb so teuer und wir müssen keine weitern drei Stunden hier sitzen und warten. Also einmal Richtung Osten wo der Sand wohnt bitte..


In Varzaneh angekommen trennten sich unsere Wege um dann doch im gleichen Hostel zu enden. Offensichtlich hatte sie auch die Mission ‚finde Mohammad in der Wüste‘ und wir waren erfolgreich. Da war es, das kleine neue Hostel. Gerade pünktlich waren wir dort, um uns einmal umzuziehen und der Wüstentour am Nachmittag anzuschließen. Wir passierten einen Süßwassersee und fuhren weiter zum Salzsee – 30 cm dick ist die Salzschicht und stark genug uns zu halten, wenn wir mit dem Auto auf dem See zur Miene fahren. Die dicke Wolkendecke riss genau im rechten Moment auf und leutete den Sonnenuntergang ein. Wir machten uns also auf den Weg zurück zu den Sanddünen, in denen wir vorher ein Pärchen zum Sandboarden ausgesetzt hatten. Auch meine neue Taxibekanntschaft versuchte sich auf dem Board und ich war selbst erstaunt, dass es mich beim ersten und einzigen Versuch selbst nicht lang gelegt hat.

Der Sonnenuntergang tat sein bestes bei den Wolken und legte uns beim kurzen Rast sogar noch ein paar Sterne auf die Picknickdecke. Zurück im Hostel erwartete uns dann auch schon ein großer Topf. Im Hostel essen alle gemeinsam. Mohammads Mutter kocht und seine Gäste und Mitarbeiter sitzen überall im Innenhof in kleinen Grüppchen beisammen, quatschen und lassen sich die gute iranische Hausmannskost schmecken. Übrigens die einzigen Mahlzeiten, die mir keine Probleme bereitet haben. Am Abend fand in der Nähe eine Hochzeit statt die wir besuchen durften und so bekamen wir auch mal einen ganz intimen Einblick wie im Iran Hochzeit gefeiert wird. Nach einem kurzen Schläfchen standen wir zeitig auf – auch wenn zeiziges Aufstehen das letzte ist, was ich freiwillig mache, konnte ich zum zuckersüßen Abo nicht nein sagen, und außerdem hätte ich mir wohl die Plötze geärgert, es nicht getan zu haben.

Wir sind in aller Frühe in die Wüste zu einer verlassenen Karawanenstadt gefahren – erst Sonnenaufgang, dann Frühstück auf dem Dach mit diesem herrlichen Blick ins weite Nichts. In der Ruine fanden wir ein Zelt. Ein deutscher Radwanderer hatte dort sein Nachtlager aufgeschlagen und wohl auch nicht damit gerechnet ein iranisches Frühstück bei Sonnenaufgang serviert zu bekommen. Er ist seit September in der Weltgeschichte unterwegs und plant im Sommer zurück in Deutschland zu sein. Deutsche und holländische Radwanderer sind gefühlt aktuell mehr im Land vertreten als klassische Backpacker – großer Respekt an sie.

Wir fuhren weiter und schauten uns Quellen an, welche mitten in der Wüste aus der Erde sprudeln und machten uns auf zum Black Mountain – einem nach dem Entstehen sofort erloschenen Vulkan. Die Aussicht war hervorragend, der Aufstieg in Billigflipflops aus Bangkok anstrengender als er hätte sein müssen – die Flippis habe übrigens nicht überlebt. Mit flachen Steinen in der Tasche wartete noch ein kleiner Staudamm mit Wasserfall auf uns in dem wir dann versuchen den Gewinner im Steine über das Wasser springen lassen ermittelten. Nachdem ich mich mehr schlecht als Recht geschlagen habe, rettete die Taxibekanntschaft unsere Mädchenehre – wenn auch nur durch Mitleid. Der eigentliche Gewinner war einer der Taxifahrer, welcher nebenbei beim Telefonieren kurz mal lässig aus der Hüfte zeigte wie das eigentlich funktioniert.

Den Rest des Tages nutzte ich die Ruhe um einfach ein paar Stunden nichts zu machen während die anderen wieder zur Nachmittagstour unterwegs waren. Unseren letzten gemeinsamen Abend verbrachte unsere kleine Gruppe auf dem Dach in dicke Decken eingewickelt scherzend unter dem Sternenhimmel. Nachdem die Frauen auf der Hochzeit herausgefunden hatten, dass keines von uns Mädchen verheiratet ist, gab es zumindest für eine ein ganz besonderes Geschenk: die heilige Gurke. Die Gurke war dann auch der typische ‚Musste beigewesen sein‘-Runninggag; dicht gefolgt vom Opium.

Mein nächstes Ziel soll ein Dorf auf dem Weg zurück Richtung Teheran sein. Da mir Schlaf jedoch wichtiger war verpasste ich den Zehnuhrbus und begnügte mich mit dem um 14 Uhr. Wir gingen noch ein Eis essen und machten uns dann jeder auf den Weg in verschiedene Richtungen. Die zwei Tage bei Mohammad waren genau das, was ich gebraucht habe. Ich habe eine kleine Gruppen von coolen Leuten kennengelernt, mit denen die Zeit zu verfliegen schien und bei denen keiner merkte, dass wir uns eigentlich erst ein paar Stunden kennen. Mohammads Hostel war mein ‚Safe Place‚.

[Teil 4]

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