{Traveling} Mexiko – Ostküste

Ich hatte schon von Zuhause aus den Weiterflug nach Mexiko gebucht. Von Havanna nach Cancun, von Kuba nach Mexiko, von Mangelwirtschaft in den Teil Mexikos in dem Wohlstand und Überfluss herrschen. Auf dem Flug selbst ging es mir schlecht. Unglaublich schlecht. Ich merkte den Mangel an Nährstoffen und Vitaminen im kubanischen Essen nach zwei Wochen nun ganz besonders. ‚In Mexiko wird es besser!‘ sagten sie. ‚Die haben Gemüse!‘



Als ich in Cancun meinen Rucksack vom Gepäckband nahm, sah ich schon, dass alle Reißverschlüsse offen waren. Bis auf die abgeschlossenen Taschen waren alle Fächer leer. Ich hatte vor meiner Abreise noch einen kleinen Liebesbrief von einem Mitbewohner im Dorm auf dem Bett liegen, den ich nur schnell noch in das oberste Fach packte – sogar der war weg. Ich sprach mit dem kleinen Israeli; auch sein Rucksack war leer geräumt, als er ihn in Amsterdam vom Band holte. Es muss also am Flughafen in Havanna passiert sein. So schlecht mein Bild von den Kubanern bei Abreise war und so sehr ich versuchte Verständnis für ihr Verhalten den Touristen gegenüber aufzubringen, mich zu beklauen macht es nicht besser. Mit Kuba war ich in diesem Moment durch. Ich wollte das Briefchen doch behalten!

Ohne Liebesbrief von Ben verbrachte ich also die erste Nacht im Hostel Pueblito in Cancun und traf dort auf eine Gruppe junger Franzosen und einen Neuseeländer, der für die nächsten Tage mein Begleiter werden sollte. Wir machten uns nach dem sehr liebevoll zubereiteten Frühstück auf dem Weg nach Playa del Carmen. Als wir im Hostel ankamen und einchecken wollten, fehlte seine Brieftasche. Wir wissen bis heute nicht, wie sie es geschafft haben ihn während der Fahrt zu beklauen, aber nur kurze Zeit später fehlte nicht nur die Potte, sondern auch 10.000 Dollar auf seinem Konto. Das Hostel The Yak war super, die Preise für Tauchgänge in Playa allerdings ziemlich hoch und so blieb uns nichts weiter als zu tun was jeder in Playa tut: Feiern.

Ich hatte vom Franzosen in Havanna eine Liste seiner Highlights bekommen und er legte mir ans Herz zur Isla Holbox zu fahren. Die waren aber erst einmal ausgebucht und in Playa wollte ich nicht bleiben. Isla Mujeres hieß also der Zwischenstopp. Hier traf ich an der Fähre eine Schweizerin mit selbem Ziel. Das Hostel Pocna ist an sich ein cooles Hostel, aber vermutlich zu groß. Bisher hatte ich noch kein Hostel in dem es so schwer war Kontakte zu knüpfen. Die Gäste sind hier aber auch weniger Backpacker, wenn mehr Partygruppen, die der allabendlichen Beachparties wegen in diesem Hostel sind. Die Insel selbst ist schön, auf Touristen ausgelegt, aber bei weitem nicht so touristisch wie Playa del Carmen. Auf Grund des Regens waren die Tauchspots geschlossen. Der Strand war jedoch wunderbar und an einem Nachmittag durften wir sogar Zeugen einer Hochzeit dort werden. An meinem letzten Abend checkte eine Australierin im Hostel ein, die ich schon aus Playa kannte. Sie sollte mich auch bis Holbox begleiten und ein anderer Australier sogar noch weiter.

Die Isla Holbox war bisher für mich das Highlight in Mexiko, mit seinen durch den Regen in riesige Modderpfützen verwandelten Sandwege, die Traumstrände und dem gesamten Flair auf der Insel. Dazu noch das tolle Hostel Tribu und auch diverse Stromausfälle sind einem dann vollkommen egal. Ich blieb insgesamt sechs Tage auf Holbox. Es hätten noch viel mehr sein können. An einem Tag beschloss ich den Strand zum Ende der Insel anzulaufen und traf dort ein Geschwisterpaar; ich hatte sie schon in Playa gesehen, aber nicht sofort erkannt. Sie waren gerade dabei eine Sandburg zu bauen und fragten, ob ich mitmachen möchte. Da lässt sich doch mein inneres Kind nicht zweimal bitten. So bauten wir also die vermutlich weltbeste Sandburg, die Holbox je gesehen hat. Zwischendurch wurden wir mehrmals vom Regen heimgesucht. Es war ein tolles Naturschauspiel: erst hört man den Regen und dann sieht man die Wand langsam über das Meer auf sich zukommen und steht auch schon mitten drin im warmen Tropenregen. Beim letzten Schauer machten wir uns jedoch auf den Weg zur Strandbar um die Ecke. Dort suchte sowohl ein junger Israeli, der mit dem Rad unterwegs war Schutz als auch ein mexikanisches Pärchen in den Flitterwochen. Da das Golfcar-Taxi nicht mehr durch die Pfützen kam, sind wir dort an der Strandbar im wahrsten Sinne gestrandet. Ich hatte noch mit dem Kater der letzen Nacht zu kämpfen und überließ den anderen das trinken – Mezcal ist nun wirklich nicht mein Getränk. Als die Bar schloss, wurden die Bardamen mit einem Pickup abgeholt, der auch uns auf der Ladefläche wieder zurück in die Stadt brachte. Insgesamt lief der Tag für alle anders als geplant, doch hätte kaum besser sein können; auch wenn ich am nächsten Tag mit einem Sonnenstich die Hängematte hüten musste.

Von der Insel ging es zurück ans Festland nach Valladolid. Der Australier war schon einen Tag vor mir aus Holbox abgereist und so traf ich ihn im Hostel Tunich Naj wieder. Dort lernte ich einen anderen Franzosen kennen, der den ‚kleine Welt‘-Kreis zu den Franzosen aus Cancun schloss. Auf Anraten des Australiers besuchte ich in Valladolid auf Grund der begrenzten Zeit nur die antike Stätte Ek Balam inklusive der in der Nähe gelegenen Cenote. Den ganzen Tag schien die Sonne, doch in dem Moment, als ich in die 30 Meter tiefe Cenote springe beginnt ein Gewitter über mir. Zum Glück, denn der Regen brachte zwei Wasserfälle zum Vorschein, die sonst nicht zu sehen gewesen wären. Am Abend traf ich die anderen aus dem Hostel wieder und wir besuchten aus purer Neugierde die abendliche Sonntagsmesse in der Kathedrale – eine der längsten Stunden meines Lebens. Die beiden Katholiken neben mir belohnten mich danach jedoch mit einem Bier fürs Durchhaltevermögen und wir versuchten uns im Barhopping bevor es für uns alle am nächsten Tag weiterging.

Mein nächstes Ziel hieß Tulum, wo auch der Australier wieder auf mich wartete – fast schon sehnsüchtig, in der Hoffnung seiner Stalkerin entkommen zu können. Er hatte die Amerikanerin auf Holbox kennengelernt und wurde sie nicht mehr los. Weil er wusste, dass sie Playa hasste, ist er extra eine​ Nacht dorthin gefahren und war großer Hoffnung sie endlich los zu sein, bis sie unverhofft in Tulum am Strand wieder vor ihm stand. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihn dafür auszulachen – so nervig sie für ihn war, ich fand die Situation lustig. Letzten Endes entkam er ihr mit einer verfrühten Einreise nach Belize. Da die Dame keinen gültigen Pass mehr hatte, war das seine Garantie, dass sie ihm nicht folgen kann. 

Vorher machten wir uns aber noch einen netten Tag am Strand. Eigentlich stand Sightseeing auf dem Plan. An den Ruinen angekommen, ließen wir uns eine Schnorcheltour aufschwatzen. Der Preis war okay und Bock auf eine Bootstour und Schnorcheln hatten wir auch, also warum nicht? Mit uns auf dem Boot waren zwei junge Mexikaner und wir wunderten uns, warum jeder Fotos von ihnen machte. Gar nicht schüchtern, wie ich bin, fragte ich also einen von beiden ob wir hier etwas verpasst hatten und ob sie denn etwa berühmt seien. Beide grinsten mich an und gaben mir ein selbstsicheres ‚ja‚ als Antwort. Der Kapitän erklärte uns dann noch, dass wir es hier mit zwei Nationalspielern der mexikanischen Fußballelf zu tun hätten, die für den besten mexikanischen Verein spielen und in Rio dabei waren. Wir waren also mit den mexikanischen Matz Hummels und Thomas​ Müller schnorcheln – wenn das keine sinnvoll investierten Pesos waren! Wir nannten unsere neuen Freunde von daan nur noch liebevoll ‚the boys‘ und versackten auf dem Sonnenbett der Strandbar bis sie schloss.

Nachdem er nach Belize abgereist war, legte mich eine Erkältung lahm und zwang mich aus dem Schlafsaal in ein teureres Privatzimmer für zwei Nächte. In der Zwischenzeit wurde ich wieder von der Vergangenheit eingeholt und hatte Gesellschaft von zwei Britinnen, die auch in Valladolid waren und im Hostel Che Tulum eincheckten. Da für das Wochenende ein Festival anstand, war unser Hostel ausgebucht und wir zogen in die kleine Schwester Che Babel ein paar Blocks weiter. Es war ruhiger als der große Bruder, das Publikum erwachsener und die Musik rockiger. An dem Abend überkam mich noch der Neid. Ein anderer Deutscher wollte mit dem Kayak durch die Mangroven paddeln und auf Krokodiljagd gehen. Durch die Erkältung konnte ich nicht mit und dabei berichtete er mir am Abend doch tatsächlich Krokodile gesehen zu haben.

Meine letzte Station in Mexiko war das Paradies Laguna Bacalar. Ein Traum in sieben verschiedenen Blautönen. Sieben Cenoten beherbergt die Lagune; die tiefste 95 Meter und wir haben es uns natürlich nehmen lassen während der Bootstour von einer Seite zur anderen zu schwimmen. Ein mexikanischer Junggeselle mit zwei Häusern in der Lagune wartet nun auf unsere Hochzeit und ich muss mich mal schlau machen welches Gesetz in Mexiko mir dabei helfen wird das Haus mit Boot und Jetsky zu behalten wenn wir uns wieder scheiden lassen. Eine gute Aufgabe für die Strecke vom mexikanischen Paradies ins belizianische – next stop: Caye Caulker.

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