{Traveling} Guatemala – Überraschung

Von Guatemala wusste ich nicht, was ich erwarten sollte. Außer meinem bescheidenen geografischen Allgemeinwissen begleitet mich nichts auf Reisen und den Reiseführer, den mir die Britinnen überlassen haben, schlage ich auch eher selten auf. Guatemala gehört zur Dritten Welt, ist zwischen Mexiko und Honduras und spricht Spanisch – viel mehr wusste ich nun auch nicht. Ich erwartete auch nicht mehr viel, nachdem Kuba, Mexiko und Belize zwar nett waren, mein Herzlein aber nicht nicht so erfüllten wie die asiatischen Länder. Und dann bestochen wir den Busfahrer…

Die erste Stadt war Flores – eine Insel inmitten eines Sees. Keine zwanzig Minuten für einen Spaziergang drumherum, lecker Streetfood zum Sonnenuntergang und das Hostel Los Amigos, welches der faule Backpacker eigentlich niemals verlassen müsste. Viel zu tun gibt es in Flores nicht, es ist aber dennoch ein schöner Ausgangspunkt für die weitere Reise. Von Flores gibt es zahlreiche Shuttle und Touren zur nahegelegenen Mayastätte Tikal.

Wir wollten nicht nur eine der Touren machen, welche wir vorzeitige verließen um auf eigene Faust auf den Ruinen herumzuklettern, sondern auch den Sonnenaufgang auf dem höchsten Tempel bewundern. Wer mag kann aus dem Hostel um drei Uhr morgens losfahren oder aber, wie wir, die Wunder des Dschungels auf sich wirken lassen und die Nacht dort in der Hängematte verbringen. Um zwei war unsere Nachtruhe beendet; die Brüllaffen wurden aktiv und verwandelten das Dschungelcamp in Jurassic Park, zumindest akustisch. Auch wenn beim Klettern am Tag vorher nur meine Jeans ihr Leben ließ, packte ich mich auf dem Weg zum Bad in der Dunkelheit mörderisch auf die Fresse. Wir verpassten unseren Tourguide und begleiten einen anderen. Auf dem Tempel hatten wir ganze drei Minuten Sonnenaufgang, bevor der Nebel alles in ein graues Meer aus Wolken hüllte. Genug Zeit um ein Foto zu machen, noch kurz den Sonnenaufgang zu genießen und dann meine blutende Hand und die Knie zu verarzten, bevor wir uns wieder auf dem Weg zurück in die Hängematte machten.

Wir verbrachten noch eine Nacht im Hostel in Flores und machten uns dann auf Weg nach Lanquin. Auf eine abenteuerliche Fahrt. Auf den Weg in das bisher schönste Hostel! Die Zephyr Lodge liegt mitten im Hochland mit 360°-Blick in das Tal, einem großen Pool, Outdoor-Duschen und -toiletten und da unsere mittlerweile gut zwanzig Mann starke Truppe den Großteil der Gäste ausmachte auch auf in vier Nächte Party. Nur etwa eine Stunde im typischen mittelamerikanischen Transport entfernt erreichen wir Semuc Champey. Die Tour startet mit einem Höhlengang – eine kleine Kerze, Badesachen und Schuhe, mehr braucht es nicht. Die Höhle ist mit Wasser gefüllt und die Kerze liefert das einzige Licht. Hin und wieder war selbst ich zu klein und musste schwimmen. Die Kerze zwischen den Zähnen kletterten wir einen Wasserfall hinauf, versuchten nicht zu ertrinken und schrammten uns die Beine auf – vermutlich gibt es genau deshalb keine Einweisung oder warmen Worte bevor es in die Höhle geht; viele würden die Tour wahrscheinlich nicht mehr wagen. Wer mutig ist kann in der Höhle noch weiter hinauf klettern um danach in einen kleinen Pool zu springen. Wer noch mutiger ist kann das ganze danach auch noch von einer Schaukel und der Brücke zehn Meter tief in den Fluss machen.

Das nächste Ziel der Tour ist nicht weniger gefährlich; zumindest in der Regenzeit. Man nennt es Wandern, nur eine halbe Stunde, geht auch in Flip Flops. Ich nenne es Klettern, eine halbe Stunde und es geht nicht in Flippis! Steil bergauf zur Aussichtsplattform führt ein matschiger, rutschiger Weg, nur hin und wieder mit der Möglichkeit sich festzuhalten und man hört den ein oder anderen Schrei eines „Wanderers“, der sich gerade mächtig weh getan hat. Etwa fünf Unfälle pro Tag gibt es hier; die Info gibt es aber erst nach der Tour auf Nachfrage. Die Aussicht auf die natürliche Poolgruppe im Tal ist aber auf jeden Fall Belohnung genug. Besonders, wenn man weiß, dass nach dem Abstieg ein Bad darin winkt. Im Wasser tummeln sich kleine Fische, wie sie bei uns teuer in Spas zu finden sind; sie knabbern an einem herum wie wir an der Möhre, wenn wir uns mal wieder gesund ernähren wollen. Ein lustiges Gefühl, wenn es über die Füße hinaus Richtung Po geht…

Diese Tour war bisher die anstrengendste und gleichzeitig auch aufregendste – das bescheinigt einem jeder der Teilnehmer. Das einzige, was ich auf keinen Fall empfehlen kann, ist beim Lunchpaket den Eiersalat zu wählen – der war bis zum Lunch überall im Rucksack, aber nicht mehr auf dem Sandwich. Den nächsten Tag verbrachte ich mit Muskelkater in Armen und Beinen am Pool, denn auch wenn die anderen riesen Spaß hatten, für Tubing in dem teils sehr wilden Fluss bin ich dann doch zu sehr Schisser.

Von Lanquin fuhren wir weiter in das ebenfalls hoch gelobte Antigua. Antigua wurde mir schon in Kuba ans Herz gelegt. Diese kleine Stadt, umringt von Vulkanen, mit viel Charme und einer netten Barszenerie. Neben dem Erklimmen eines der Vulkane wurde uns ebenfalls die Poolparty sehr empfohlen. Kaum angekommen und auf verschiedene Hostels verteilt, trafen wir auch schon in der Kneipe auf andere Reisende, die wir irgendwo irgendwann vorher trafen – wer in der Gegend ist, kommt samstags nach Antigua. Gemeinsam geht es gegen Mitternacht weiter zur bis über die Landesgrenzen hinaus bekannten Party. Ein cleverer Fuchs nahm eines Tages einen alten und leeren Pool, packte auf die eine Seite eine Bar, gegenüber setzte er einen DJ hin und in der Mitte tanzt das Volk – zu Electro und nicht #FuckingReggaeton!

Da die Amerikanerin, mit der ich seit Belize unterwegs war, unbedingt den Vulkan erklimmen wollte, verbrachten wir den ganzen Tag auf dem Second Hand Markt – Handschuhe, Regenjacke, warme Hose – der Vulkan ist 4.000m hoch, da wird es schon mal kälter über Nacht. Noch ein wenig Sightseeing, wenn man schon mal ein Weltkulturerbe vor der Nase hat, und dann machte ich mich auch schon wieder auf die Weiterreise: Guatemala City.

Die größte Überraschung in einem Land, das mich schon vollkommen überrascht hat. Fast jeder rät einen Guatemala Stadt auszulassen; zu hässlich, zu gefährlich, nichts zu sehen. Die verpassen was! Ich mietete mich in ein Familienostel ein, Quetzalroo, und blieb länger als gedacht. In der ersten Nacht hatte ich ein Date mit einem Anwalt – Tindermatch – und wir stellten fest, dass auch er auf der Poolparty war. Warum hatte ich ihn nicht gesehen? Er war in der gleichen Ecke, die Party ist klein.. komisch. In der Nacht fiel es mir ein! Ich wurde auf der Party von einem einheimischen Mann angesprochen, groß, sehr gutes Englisch, graue Augen – davon gibt es nicht so viele hier.. er wollte mir in der Nacht nach einem längeren Smalltalk einen Drink ausgeben. Ich lehnte ab und ging; ich zahle meine Drinks grundsätzlich alleine. Auf Nachfrage, ob er ein Cappy auf der Party trug, antwortete er mit „Ja“ – ich traf also ein und den selben Mann innerhalb von nur ein paar Tagen zwei Mal ohne es zu bemerken. Aber ripped Jeans und Basecap in der Nacht versus Anzug und Ralph Lauren Hemd bei Tage, plus eine andere Stadt – wem wäre das nicht passiert? Wenigstens erkannte ich ihn am nächsten Tag auf Anhieb.

Dass es in Guatemala nichts zu sehen gibt, stimmt nur zu bestimmten Zeiten. Einen Tag war ich zu spät für alles. Das Museum sollte in zehn Minuten schließen, der botanische Garten hatte am dem Tag gar nicht geöffnet und auch der Zoo war seit einer halben Stunde geschlossen. Ich lief also einfach so herum und schaute mir Zone 10 an. Am nächsten Tag widmete ich mich Zone 1 und dem regen Treiben rund um den Palast herum. Es gab viele Textilhändler, Streetfoodstände und einzelne Künstler in jeder Ecke. Das Streetfood sollte mir nur wenig später ein Stück Zahn kosten. Ich lasse mich überraschen, ob ich gezwungen sein werde hier noch zum Zahnarzt gehen zu müssen oder ob es auch noch zurück in Deutschland reicht. Ich traf außerdem auf die Gruppe aus meinem Hostel, welche mit dem Fahrrad unterwegs war und schloss mich ihnen an. Wir besuchten zum Abschluss der Tour die älteste Kirche und lauschten auf der Wiese davor Marcos zu seinen Erzählungen über die Geschichte Guatemalas und machten uns danach auf zu einer Privatparty von Freunden von ihm. Auf dieser sollte ich stecken bleiben bis tief in die Nacht. Schon wieder.

Nach insgesamt fünf Tagen, einem gebrochenen Zahn, zwei Partys, zwei Mal Shopping in der Mall, einem Wiedersehen mit einem Reisenden den ich schon Zuhause glaubte, vielen neuen Bekanntschaften und Eindrücken, unzähligen Drinks, zwei Jobangeboten und und und fiel es mir schwer Guatemala City zu verlassen. Auf meiner Liste der Orte an denen ich mir vorstellen könnte die nächsten Jahre zu leben hat es Guate C. auf jeden Fall unter die Top 5 geschafft. Alleine schon wegen dem schönsten Zebrastreifen den ich je gesehen habe.

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3 Gedanken zu “{Traveling} Guatemala – Überraschung

  1. Ich bin stolz auf Dich, meine Süße.
    Ich freue mich, dass du so viele gute und auch weniger gute Eindrücke in der Welt sammeln kannst. Du wirst über die guten Eindrücke viele Jahre berichten, die weniger guten werden irgendwann in Vergessenheit geraten.
    Für Deinen weiteren Urlaub wünsche ich Dir nur noch gute Eindrücke und Spaß.
    Bleib gesund!!!

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