{Traveling} Kuba

Als ich aus dem Iran wieder Zuhause war, stand das nächste Ziel schon fest: Mittelamerika. Ich hatte aber noch keine Ahnung wo ich anfangen wollte. AirBerlin fliegt übermorgen nach Havanna; 249 Euro. Gut. Dann erstmal Kuba. Die Richtung stimmt und ein bisschen Karibik schadet doch keinem. Ich hatte mir mit dem Gutschein meiner lieben, mittlerweile Exkollegen, einen der XL-Sitze gegönnt und musste nur noch hoffen, dass AirBerlin auch fliegt.

Kurzer Stopp in Düsseldorf und zehn Stunden später stieg ich dann auch schon in Havanna in ein Taxi Richtung Hostel. Die Erwartungen waren groß; schwärmen doch viele so von Kuba! Die erste Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. In meinem Reiseführer stand: ,“Havanna ist laut, schwül und anstrengend“ – aber wir kennen doch ganz andere Bilder: bunte Oldtimer, gut gelaunt in den Straßen ​tanzende und Zigarre paffende Kubaner, fröhliche Touristen. 

Dass ich überhaupt einen​ Reiseführer dabei hatte, war eher Zufall, doch nötig. Für einen Appel und nen Ei hatte ich ihn mal vom Grabbeltisch mitgenommen und da stand er dann bei mir im Regal und fand endlich seinen Einsatz. Genutzt hatte ich ihn allerdings auch nur, weil Kubas Anbindung an das Internet eher schlicht gehalten ist. Kaum im Hostel angekommen, machte ich auch schon Bekanntschaft mit einer jungen Berlinerin und wir machten uns zu Fuß auf den Weg die Umgebung zu erkunden.

Zu Fuß waren wir die ganze Zeit sehr gut dabei, denn unser Hostel war im Stadtteil Centro, das touristische Leben in Havannas Altstadt. Zu uns gesellten sich dann noch zwei andere deutsche Mädels – eines sollte sich recht schnell als mein zehn Jahre jüngeres Ich herausstellen, sowie ein Belgier, ein Deutsch-Franzose und der ein oder andere Einnächtler. Nach fünf Nächten verließ ich Havanna mit dem Deutsch-Franzosen Richtung Westen in das Viñales-Tal. Es wurde auch höchste Zeit, denn Havanna hing uns allen zum Hals heraus.

So viel es in der Stadt zu erkunden gibt, so wenig kann man es in Ruhe auch tun. Gerade für uns als Frauen hat sich unter die sekündlichen Schlepperversuche noch die Latinlovermentalität gemischt, was ein Vorankommen ohne männliche Begleitung schier unmöglich machte. Ich sollte jedoch bei meinem zweiten Besuch in Havanna erfahren, dass auch die Jungs in den Abendstunden keine paar Meter weit kamen ohne von der ein oder andere Dame auf der Straße zum Schnäppchenpreis von fünf Dollar die Stunde angelockt zu werden; ob sie eine von uns nun am Arm haben oder nicht.

Reichlich genervt von Havanna erhofften wir uns etwas Entspannung in Viñales und die Möglichkeit die Gegend in Ruhe auskundschaften zu können. Das kleine Viñales erinnerte mich sehr an Ferienlager: lauter kleine Häuser, die entweder eine Unterkunft sind oder ein Lokal, dazu kommen kleine Grüppchen im selben Alter, die mit etwas zu trinken in der Hand durch die Gegend laufen oder auf dem zentralen Platz sitzen, irgendwo kommt Musik her, kein Stress und Tagesausflüge mit dem Pferd oder an den Strand. Eines Nachts tat sich unter meinem schweren Echtholzbett ein Loch auf – der dünne Fußbodenbelag rutschte einfach in den Krater, welcher tief genug schien um dem Beelzebub Gute Nacht zu sagen. Zeit zu gehen.

Ich machte mich weiter auf den Weg nach Trinidad – das kleine Kolonialstädtchen bezaubert mit viel Charme und noch mehr Kopfsteinpflaster. Das erinnerte mich ein wenig an Zuhause. Viel gibt es nicht zu sehen oder zu tun, Mittelpunkt ist eine große Treppe. Dort spielt sich, WiFi sei Dank, das Leben ab. Livemusik, Bars, Restaurants, Menschen – ich hätte Stunden auf dieser Treppe verbringen können.

Doch auch andere Städte haben schöne WiFi-Plätze und so ging es weiter nach Cienfuegos. Direkt in der Bucht gelegen, hat man das Meer fußläufig und im Stadtkern ein historisches Gebäude nach dem anderen. So zum Beispiel das Theater Tómas Terry, welches nie wirklich saniert wurde, an der ein oder andere Stelle auch mal den Putz verliert und bei jedem Schritt über die alten Holzdielen fast schon vor Altersschwäche ächtzt. Hier traf ich auch ein  Pärchen aus Berlin wieder, welches am Tagesausflug in Viñales auf die kleine Insel Jutias teilnahm.

Auf dem Rückweg nach Havanna machte ich zuletzt in Santa Clara Halt. Außer Che Guevara hat die Stadt eigentlich nichts weiter zu bieten. Und so verbrachte ich die restlichen Tage auf Kuba wieder im alten Hostel, froh zu sehen, dass auch noch einige Gäste aus der letzen Woche dort waren. Im zweiten Anlauf ließ sich Havanna auch gleich viel besser ertragen. Wohl auch, weil ich immer mindestens einen Mann an meiner Seite hatte. So schloss sich der Kreis Kuba und ich steuerte nach 15 Tagen Mexiko an.

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Falls Du überlegst als Backpacker nach Kuba zu reisen, solltest Du vorher wissen:

• Kuba ist verhältnismäßig teuer; für Alleinreisende besonders.

• Es gibt nur in Havanna Hostels. Teure Hotels oder private Gästehäuser sind der Standard. Couchsurfing geht theoretisch, ist aber so gut wie kaum vorhanden.

• Selbstversorgung mit Essen/Wasser gestaltet sich recht schwierig. Es gibt einen Grund, warum niemand auf der Welt leckeres kubanisches Essen kennt – es gibt keines.

• Schlepper und (bei den Jungs) Prostituierte, (bei den Mädels) ‚cuban boyfriends‘ warten alle paar Meter auf dich – hast du einen schlechten Tag, kannst du hier leicht die Geduld verlieren.

• Niemand tut etwas für dich aus reiner Nettigkeit; du bezahlst für jedes kleine bisschen.

• Spontanes Reisen geht zwar, ist aber relativ stressig, da es Internet nur sehr teuer an öffentlichen Plätzen gibt. Einen gebundenen Reiseführer hat daher eigentlich jeder in der Tasche.

Die Insel ist eine Reise auf jeden Fall wert. Um die Zeit in Kuba jedoch tatsächlich genießen zu können, empfehle ich entweder das Reisen in einer kleinen Gruppe oder tatsächlich nur für einen kurzen Urlaub. Von den alleinreisenden Backpackern, die ich traf, hat keiner seine Zeit auf Kuba als gut empfunden, obwohl die Insel eigentlich viele tolle Orte bereit hält.

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{Traveling} Iran – Teil 5: Teheran und ein Fazit

Mit Teheran schloss sich der kleine Kreis meiner Iranreise. Hier bin ich gelandet und hier werde ich auch wieder zurückfliegen. In Teheran hatte ich mich an das schreckliche Hostel vom Beginn der Reise erinnert und ein anderes gebucht. Einen Tag vorher kassierte ich noch eine Absage „voll“ – auf dem Weg nach Teheran am nächsten Tag gab es dann aber ein Bett für mich. Am Busbahnhof wollte ich die iranische Uberversion Snapp nutzen, fand aber keine Möglichkeit einen Absetzpunkt zu definieren. Leider ist die App noch nicht soweit ausgereift, dass man einzelne Orte wie Hotels auswählen kann. Ich musste also auf ein Taxi umsteigen. 20.000 Toman sollte es kosten; 200.000 Rial – umgerechnet etwa 6 Euro. Kann ich mit leben. Es macht mich immer stutzig, wenn die Taxifahrer in der Gruppe über das Ziel diskutieren und scheinbar keinen gemeinsamen Nenner finden; was dazu sagen kann ich mangels Sprachkenntnisses aber nun auch nicht.

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{Traveling} Iran – Teil 4: Sex, Drugs und Gangsterrap

Wie ist das Kleinstadtleben im Iran eigentlich so – ähnlich wie in Deutschland​ oder durch die iranische Gesetzgebung doch ganz sittig? Mein nächster Couchsurfinghost wohnte in einer kleinen Stadt zwischen Isfahan und Kashan und die Abrede war: Nimm den Bus nach Kashan, rufe mich an und ich sage dem Busfahrer wo er dich auf dem Highway aussteigen lassen soll. Und so besorgte ich mir ein Ticket, gab dem Kerl, der das Gepäck verstaut, das Handy und hoffe darauf auf halbem Weg nach Kashan einfach ausgesetzt zu werden. 



Der Busfahrer sah am vereinbarten Ort zunächst kein Auto und wollte nicht anhalten – hier lässt er mich nicht einfach so aussteigen. Mal ausnahmsweise kein weißes Auto und somit auch nicht sofort im Einheitsbeige der Wüste auszumachen, warteten mein Host und sein Cousin auf mich. Wäre es ein gelber Pickup gewesen, hätte es auch gut der Pussywagon sein können. Doch die Herren waren mehr in Gangsterrap als Tarantino. 50Cent durch die Boxen dröhnend ging es durch die Straßen nach Hause. Dieser Typ ist hier vollkommen fehl am Platz. Groß und breit, tätowierter Atheist und mit einem Slang ausgestattet, der sein Idol Tupac mehr als stolz gemacht hätte. Das dürften zwei sehr chillige Nächte werden. Und so war es auch.  Weiterlesen

{Traveling} Iran – Teil 2: Aufgeben ist keine​ Option

Die erste Nacht unter dem Sternenhimmel über Yazd war kühler als erwartet und auch unruhig. Als ich aufstand war mein Travelbuddy bereits ausgehfein und signalisierte mir er wolle nun aufbrechen. Ich, Morgenmensch wie ich bin, sah dazu noch keine Notwendigkeit und er war nicht bereit mir eine Stunde zum Wachwerden zu geben. Er machte sich an diesem Tag auf den einen Weg und ich mich später auf den anderen.


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{Traveling} Budapest – Warum Alleinreisende nie einsam sind

Ich habe eine Schwäche für osteuropäische Städte, muss ich gestehen. Irgendwie faszinieren sie mich. Ohne das zwanghafte Totmodernisieren können sie noch mit Charme aufwarten – ich hoffe, das bleibt auch noch eine Weile so. Ich bin nun gerade aus Ungarns schöner Hauptstadt Budapest zurück und nutze die Gelegenheit gleich aus, um auf die immer wiederkehrende Frage zu antworten: „Alleine?“ – Ja, alleine. Es wird ja nicht leichter Menschen dazu zu begeistern spontan mal drei Schlüppi einzupacken und sich für ein paar Tage aus ihrem gewohnten Dunstkreis herauszubewegen. Glücklicherweise geht es jedoch vielen so – und die gilt es dann einfach zu finden.

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